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Logos-Gradualis im Verhältnis zum Yoga

Neben Veda und Sankhya ist der Yoga nach Rudolf Steiner die dritte große Geistesströmung neben dem Vedentum und der Sankhyaströmung, die sich alle drei als Zusammenfluss in der Bhagavadgita wiederfinden.1 Rudolf Steiner spricht nicht zu irgendeinem Zeitpunkt über diese Zusammenhänge, sondern er wählte diese Betrachtung als Ausgangspunkt für die Anthroposophische Gesellschaft.2 

Diese drei Lehren, die sich als Weltgesetz (Veda), als Hüllenlehre (Sankhya) und Weg der Andacht (Yoga) zusammenfassen lassen, müssen immer bei einer gültigen Betrachtung der Welt heute in Kunst, Wissenschaft und Religion, anwesend sein.

Die Dreiheit von Veda, Sankhya und Yoga kehrt metamorphosiert in Moses, dem Johannesevangelium und den Paulusbriefen wieder. Paulus war als Apostel der erste Mensch, der den Christus ätherisch gesehen hat und der von ihm erweckt wurde. In der Anthroposophie kehrt wiederum eine Metamorphose dieser drei ein:

  • in der "Theosophie"3 das Weltengesetz,
  • in der "Geheimwissenschaft"4 die Hüllenlehre und
  • in "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten"5 der komplett erneuerte Weg der Andacht.

Rudolf Steiner teilt 1911 in Locarno mit, dass Gautama Buddha selbst die Anthroposophie inspirierte.6 Trotzdem bleibt die Anthroposophie Rudolf Steiners nach seiner eigenen, immer wieder wiederholten Aussage die Vorbereitung auf die heutige Zeit. Erst heute, nachdem der Ich-BIN der Herr des Karma geworden ist, kann das Weltgesetz, die Hüllenlehre un der Weg der Andacht als Yoga in seiner ganzen Dimension gegeben werden. Dies geschieht in der Anthropofonetik, Logos-Gradualis und der Paradoxologie.

  Von zwei Seiten kann man sich dem Ewigen nähern: durch denkende Betrachtung der Welt und durch den Yoga. Beides führt zu dem, was die großen Vedenlehrer als das einheitliche Atman-Brahman bezeichnet haben, das sowohl draußen lebt, wie auch im Innern der Seele, das der Welt als Einheitliches zugrunde liegt. So ungefähr hat ein Lehrer zum Schüler von den Gei¬steströmungen gesprochen.
Diese drei Strömungen schließen sich nach Rudolf Steiner im Christus-Impuls zusammen.7  In Paulus treten alle drei Strömungen metamorphosiert vor uns. Dabei sind Krschna und die nathanische Seele, die im nathanischen Jesus einwohnt, das Selbst der Menschheit. Heute wird sie (die nathanische Seele) als ätherischer Christus bezeichnet.

In Rudolf Steiner, der sein Wirken als Vorbereiter der Vorbereiter der Vorbereiter sah, tritt eine Metamorphose der drei Geistesströmungen – Gesetz, Hüllen und Andacht (Weg) ein. Er schafft wiederum die Grundlage, dass die Menschheit in Osten, Westen, Norden und Süden wieder anschließen kann an die Mysterien. Dazu begründet er die Mysterienkultur neu, so dass alle früheren, gegenwärtigen und zukünftigen Vertreter der Mysterien aufnehmen können, wie sie nun zum ätherischen Christus kommen können. Rudolf Steiner beschreibt es als die Hauptaufgabe der Anthroposophie, die Menschheit auf die Begegnung an der Schwelle mit dem ätherischen Christus vorzubereiten. Im Vortragszyklus ‚Die Sendung Michaels‘8 beschreibt er den ätherischen Christus als Lichtseele. Es besteht die Aufgabe, darüber, dass Michael seine Wohnstatt im Ätherischen des Menschen aufschlagen kann, sich als Mensch in einer Inkarnation bewusst über die Schwelle zur Lichtseele bewegt zu haben. Dazu hat Bernard Lievegoed das bedeutsame Buch ‚Der Mensch an der Schwelle‘9 geschrieben. Rudolf Steiner beschreibt im genannten Zyklus (GA 142), dass heute durch Yoga das Ewige nicht mehr gefunden werden kann, da in der Luft die Schöpferkraft nicht sei, sondern im Licht, Yoga aber besteht sehr wesentlich aus Atemübungen, so dass der Leib das aufnimmt, was in der Luft ist. Die Lichtseele (der ätherische Christus oder die nathanische Seele) aber finden wir durch einen neuen Yoga, den Lichtseelen-Yoga, d.h. den Weg durch die 12 Sinne, die Rudolf Steiner geöffnet hat.

Schon Anfang der 1990iger Jahre sprach Jürgen Schriefer zum Autoren,  dass der Logos in der Eurythmie verloren sei. So besteht eine Aufgabe darin, die Verbindung zur Lichtseele auffinden zu können durch ein intensives Üben in den 12 Sinnen, neuen Übungen, die das alte Prinzip des Lotussitzes, der die Beine zur und auf der Erde kreuzt, öffnet. Das Sonnenwort, der Logos, ist auf die Erde gestiegen. Vor Golgatha war es nötig, die Beine zu kreuzen vor dem Dunklen, was in der Erde lebt. Nach den Mysterien von Golgatha aber durchzieht das Sonnenwort die Erde. Dies betrifft auch die ruhenden Positionen des alten Yoga. Alles will nun Bewegung werden, Bewegung aus der Auferstehungskraft, die als Welle erkannt und erlebt werden kann. Um dies zu erreichen bedarf es Übungen, die in der Lage sind, die Verfallserscheinungen, die in den Leibern besonders seit dem 20. Jahrhundert begonnen haben, zu verwandeln in edlere Leiber. Dazu wird der ganze Leib in intensiver Weise ergriffen. Es gibt 7 Hauptübungen, die das Lebendige der 7 Planeten im Menschen verinnerlichen lassen. Diese Hauptübungen sind, bis auf die Sonne, Metamorphosen einer Eurythmiemeditation, an der Rudolf Steiner sein gesamtes Leben gearbeitet hat:

I: Ich denke die Rede
II: Ich rede
III: Ich habe geredet
IV: Ich suche mich im Geiste
V: Ich fühle mich in mir
VI: Ich bin auf dem Wege zum Geiste, zu mir.10

Vergleicht man die Übungsposition, die Steiner in Agrippa von Nettesheim  übernommen hat, mit der jeweiligen Übung von Logos-Gradualis, so kann man sehen, dass in den 7 Hauptübungen die Position der Gliedmaßen, die Agrippa von Nettesheim11 angab, in Bewegung gebracht wurde. Diese Übungen hat der Autor 2006 aus sich heraus gesetzt, indem er diese in sich selbst fand. 2011 erkannte er die planetarische Beziehung zu den Übungen ‚Ich denke die Rede‘ von Rudolf Steiner.

Insgesamt also geht es um einen Übergang vom ‚Alten Yoga‘, vom alten Luft-Schwerpunkt-Atmen zum

NEUEN YOGA - LOGOS-GRADUALIS,

der die Menschen das Menschheitsselbst im Lichtseelenprozess durch die 12 Sinne und die anspruchsvollen Übungen in die Aufnahme des Sonnenwortes bringen kann. Die Eurythmie wird dabei belebt, neu geschöpft und als Kunst neu gefunden.

 


1: Rudolf Steiner, GA 142, Die Bhagavadgita und die Paulusbriefe, 1. Vortrag, 28.12.1912
2: Vorträge Rudolf Steiners in Köln vom 28.12.1912-1.1.1913, GA 142, Die Bhagavadgita und die Paulusbriefe
3: Rudolf Steiner, GA 9, Theosophie
4: Rudolf Steiner, GA 13, Die Geheimwissenschaft im Umriss
5: Rudolf Steiner, GA 10, Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten
6: Rudolf Steiner, GA 130, Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit, 2. Vortrag, Locarno, 19. September 1911,, "Der Christus-Impuls im historischen Werdegang"
7: Rudolf Steiner, GA 142,  Die Bhagavadgita und die Paulusbriefe, 3. Vortrag, 30.12.1912
8: Rudolf Steiner, GA 194, Die Sendung Michaels
9: Bernard C.J. Lievegoed, Der Mensch an der Schwelle, Verlag Freies Geistesleben, Dornach, Schweiz
10: Rudolf Steiner - Eurythmie-Übung zu den sechs Stellungen von Agrippa von Nettesheim, GA 277a, Entstehung und Entwicklung der Eurythmie, Zeichnung von Assja Turgeniff nach einer Tafelszeichnung von Rudolf Steiner
11: Agrippa von Nettesheim, *14. September 1486 in Köln; †18. Februar 1535 in Grenoble

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